Prüfstrategie in der Serienfertigung: Zwischen Kosten und Reklamationen
In der Serienfertigung stehen Unternehmen häufig vor einem grundlegenden Zielkonflikt: Einerseits sollen Qualitätsrisiken minimiert werden, andererseits dürfen Prüfprozesse nicht zu unnötig hohen Kosten führen.
Zu viel Prüfen führt zu steigenden Kosten.
Zu wenig Prüfen erhöht das Risiko von Reklamationen.
Viele Unternehmen versuchen dieses Problem zu lösen, indem sie zusätzliche Prüfungen einführen. Doch mehr Prüfen bedeutet nicht automatisch bessere Qualität.
Im Qualitätsmanagement gibt es daher ein bekanntes Prinzip: „Wer misst, misst Mist.“
Wenn das eingesetzte Messsystem nicht zuverlässig arbeitet, können auch die daraus gewonnenen Messergebnisse keine verlässliche Grundlage für Entscheidungen darstellen.
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Messmittelfähigkeit als Voraussetzung für eine effiziente Prüfstrategie
Eine zentrale Voraussetzung für eine effektive Prüfstrategie ist die Bewertung der Messmittelfähigkeit.
Dabei spielen insbesondere folgende Kennzahlen eine wichtige Rolle:
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Cg / Cgk – Bewertung der Potenzialfähigkeit eines Messmittels (MSA Typ 1)
-
GR&R (Gauge Repeatability & Reproducibility) – Bewertung der Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit eines Messsystems (MSA Typ 2/3)
Typische Zielwerte sind beispielsweise:
-
Cg / Cgk ≥ 1,33
-
GR&R < 10–30 %
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Messungen zuverlässig interpretiert und als Grundlage für eine optimierte Prüfstrategie genutzt werden.
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Effiziente Prüfstrategien schaffen Qualität und reduzieren Kosten
Eine gut strukturierte Prüfstrategie ermöglicht es Unternehmen, Qualitätsrisiken frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Prüfkosten zu vermeiden.
Das Ziel ist nicht möglichst viel zu prüfen, sondern richtig zu prüfen – auf Basis zuverlässiger Messsysteme und klar definierter Qualitätskriterien.
Denn letztlich gilt:
Eine durchdachte Prüfstrategie reduziert Kosten und verhindert Reklamationen.

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